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Homöopathie & Angst

Angst als Begleitsymptom

Zuerst möchte ich auf die psychischen Störungen eingehen, die "Angst" als Begleitsymptom haben.
Zur Erklärung ein Beispiel aus einem anderen medizinischen Fachgebiet: (Magen-Darm-Erkrankungen)

Gastroenterologie (Magen-Darm-Erlrankungen)
als Symptom nehme ich "Durchfall".
Der Durchfall kann nun einerseits ein Symptom von vielen verschiedenen Magen-Darmerkrankungen und somit Diagnosen sein (Morbus Crohn, Dickdarmkrebs, Colitis ulcerosa usw.), oder aber das zentrale und bestimmende Symptom und somit diagnosegebend.
Dann würden wir von einer "Durchfallserkrankung" sprechen, welche dann noch näher bezeichnet werden könnte (infektiös, funktionell, allergisch usw.)

Hier nun ein konkretes Beispiel aus der Psychiatrie, wo Angst nur ein Begleit- oder Folgesymptom ist:

Kapitel:
F0: Organische, einschlisslich symptomatischer psychischer Störungen
Hauptrubrik:
F06: andere psych. Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder kprl. Krankheit
Unterrubrik:
Fo6.4 Organische Angsstörung

Angst als zentrales Symptom

Bei den folgenden klassifizierten Störungen ist "Angst" das zentrale Symptom und bestimmt damit die Diagnose:
Im ICD-10 Hauptkapitel "Psychiatrie (F)" finden wir folgende Kapitel:

F4: Neurotische-, Belastungs und somatoforme Störungen
mit den Hauptrubriken
F40: Phobische Störungen und Unterrubriken
- F40.0: Agoraphobie
-
F40.00 - Agoraphobie ohne Panikstörung
- F40.01 - Agoraphobie mit Panikstörung
- F40.1 Soziale Phobie
-
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien (z.B: Tierphobien, Klaustrophobien usw.)
usw.
F41: Andere Angststörungen und Unterrubriken
-
F41.0 Panikstörung
-
F41.1 Generalisierte Angststörung
-
F41.2 Angst und depressive Störung, gemischt
-
F41.3 Andere gemischte Angststörungen
usw.

F6: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
mit der Hauptrubrik
F60: Spezifische Persönlichkeitsstörungen und Unterrubrik
- F60.6 Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

Die bis hierher erwähnten psychischen "Störungen" sind so, in der letzten Fassung des ICD enthalten. Das heisst, sie sind zur Zeit "state of the art", wie man so schön sagt.
Ihre Aufgabe oder meine, als Arzt ist es nur noch die richtige Ziffer zum Kranheitsbild das ich vor mir hab zu finden und schon steht die Diagnose. Da ist das DSM-IV doch schon etwas weiter. Es liefert mir sogar noch die Standarttherapie bei meiner Diagnose.
Und so haben wir sauber eingeteilte psychisch Leidende.
Doch würde mich, und Sie sicher auch, eine Erlklärung für die Entstehung solcher Störungen nun doch brennend interessieren.
Und da findet sich natürlich auch eine Menge an Material, wenn man bedenkt, dass all die verschiedenen Psychiatrieunterarten sehr häufig auf den Gedankenmodellen eines bestimmten, meist sehr bekannten Psychiaters beruhen (Freudianer, Jungianer, Adlerabkömmlinge, Hellinger-Schüler usw.)

Interessant ist, dass die veralteten und wie Sie gesehen haben, in der Klassifizierung nicht mehr vorkommenden Ausdrücke wie: endogen, psychogen oder exogen, im Praxisalltag immer noch eine tragende Rolle spielen. Vielleicht einfach deshalb, weil es eine klare Ursachenbezeichnung ist und damit den Therapieweg, wie auch die Prognose recht gut bestimmen.
endogen: die Krankheit kommt von innen. Sie wurde grösstenteils durch Erbschaft erworben und hat eine genetische Fixierung. Heilung praktisch unmöglich. Therapie wahrscheinlich lebenslang.
psychogen: die Erkrankung hat eine gute Prognose. Meist geht der Erkrankung eine klare Geschichte voraus, deren Folgen, im Rahmen der Sensibilität des Erkrankten zu mehr oder weniger ausgeprägten Symptomen führt. Es ist eine Form von Überreakton auf psychischer Ebene
exogen: meist durch eine Erkrankung oder Unfall erworbene, also organisch bedingte psychische Störung. Prognose abhängig von der Verursachung.

Dies ist klar und irgendwie verständlich. Ob abär diese simplen Erklärungsmodelle die Realität abbilden können, wage ich stark zu bezweifeln.
Gehen wir aber noch etwas auf diesem "modellhaften" Weg weiter:

Modelle für "psychische Erkrankungen"

Die modernen Modelle zur Erklärung psychischer Störungen gehen von einem Zusammenkommen mehrerer ungünstiger Umstände (genetisch-angeboren, erlerntes Verhalten in jüngster Kindheit, unglückliche Familiensituation oder soziale Spannungen) und sehen eine Entwicklung, bis zur manifesten Erkrankung.
Stellvertretend stelle ich Ihnen hier 2 grosse, klassische Modelle vor:

1)
Das "Verhaltenstherapeutische Erklärungsmodell":
Angststörungen sind auf erlerntes Verhalten zurückzuführen. Das heisst: es passiert einem etwas, was man als peinlich oder demütigend erlebt und sich selber als hilflos und ausgeliefert. Wenn sich nun ein Ereignis mit oben genannten Empfindungen, zum Beispiel in einem öffentlichen Bus abspielt, führt dies zu einem Abdruck oder Engramm in der seelischen Struktur. Das kann nun dazu führen, dass das nächste Mal, wenn man einen Bus betreten will plötzlich diese Erinnerungen hochkommen und sich ein Angstgefühl einstellt. Dies kann so stark sein, dass es einem dazu veranlasst den Bus wieder zu verlassen. Es findet also eine Vermeidung statt. Hier ist die Situation noch klar. Sie haben etwas unangenehmes erlebt, was Sie unbedingt NICHT MEHR erleben wollen und da dies zufälligerweise im Bus stattfand, wird dieses Gefühl mit dem Busfahren verbunden und das Objekt der Angst wird der Bus! Wenn Sie diesen umgehen, dann haben Sie kein Problem. War das Erlebnis aber eigentlich leichterer Natur (viele Leute und Sie fühlten sich erdrückt), dann ist diese Angst nicht nur mehr an den Bus gebunden, sondern kommt dann zunehmend auch in anderen Situationen statt, wo es auch viele Leute hat. Dann werden Sie schon recht deutlich in Ihrer Freiheit eingeschränkt. Das kann der Beginn einer zunehmenden sozialen Isolierung sein. Denn jede Vermeidung führt zu einem Frust und damit wieder zu einer Verstärkung der Angst. (Teufelskreis).

2) Das "Tiefenpsychologische" Erklärungsmodell:
Ein Mensch erlebt Angst, wenn es Ihm nicht gelingt, einen Trieb, der aus der Tiefe seines Seins kommt mit moralisch/ethischen, anerzogenen Gefühlen innerlich ins Gleichgewicht zu bringen. Es entsteht ein neurotischer Komplex, der jedesmal bei solchen Situationen aufbricht und zu unklarer, oder unsicherer Reaktion führt. Da dies eine unangenehme innere Spannung ist, kommt es bald zu sogenannten "Copping- oder auch Abwehrmechanismen genannt.
diese können sein: die Regression, Projektion, Abspaltung von Gefühlen, Konversionen usw. Das Ziel dieser Mechanismen ist Abbau der inneren Spannung.
Dieses Erklärungsmodell kommt aus der psychoanalytischen, oder eben anders ausgedrückt, aus dem tiefenpsychologischen Ansatz von Sigmund Freud.

Es gibt noch einige weitere solche "Erklärungsmodelle", die jeweils aus einem anderen Blickwinkel die Entwicklung zu einer manifesten Erkrankung zu erklären versuchen. Daraus ergibt sich, eine recht grosse Anzahl von Modellen und eine ebensogrosse Zahl an therapeutischen Verfahren.

FOLGEN AUS DIESEN VIELEN ERKLÄRUNGSMODELLEN UND THERAPIERICHTUNGEN:

1) Es macht es sowohl dem Laien, wie auch dem Nicht-Facharzt für Psychiatrie schwer, sich für eine bestimmte psychiatrische Therapierichtung zu entscheiden.
2) Da alles REINE THEORIE ist und sich in Modellen darstellt, ist die Frage nach "richtig oder falsch" immer präsent.
3) Die Wirksamkeit der einzelnen psych. Therapieformen ist nicht bewiesen.
Die Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts veröffentlichte Meta - Analyse durch eine Arbeitsgruppe um den Psychologen Klaus Grawe, "zum Stand der Psychotherapieforschung", brachte auch nicht gerade Licht in die Angelegenheit.
Obwohl das gesamte vorhandene Datenmaterial zusammen getragen und analysiert wurde, ergab der Schlussbericht nur gerade für die Verhaltenstherapie positive Resultate in Bezug auf Verbesserung oder Heilung der psychischen Erkrankungen. Alle anderen Verfahren wurden als "fraglich wirksam" bewertet.

Als zusätzlicher Verunsicherungsfaktor sei noch auf die zunehmende Verflechtung von Pharmaindustrie, Forschung und Arzneimittel verschreibenden Psychiater und anderen Fachärzten erwähnt.

Folgende, vor nicht allzu langer Zeit in einer renomierten Fachzeitschrift publizierte Analyse über die Zusammensetzung des Expertenteams der "American psychiatric Association", also dem Expertenteam, welches das DSM-IV entwickelt hat, lässt aufhorchen. Denn in diesem "Manual" werden nicht nur die Diagnosen, sodern auch gleich die entsprechenden Therapien vorgeschlagen. Dies kann narürlich zu einem massiven Interessenkonflikt führen.
Aber lesen Sie doch selber und bilden SIE sich IHRE Meinung:

Die nun folgende Story, welche vor nicht allzu langer Zeit in einer der renomiertesten britischen Medizinhefte veröffentlicht wurde, zeigt, wie einflussreich die Pharmaindustrie zur Zeit ist.
Findet sich nicht bald eine Lösung, bzw. EINE GEWALTENTRENNUNG zwischen Geldgeber, Naturwissenschaftler und Forschung, wird sich die Schulmedizin mit Ihren hochgeschätzten und zm Teil schon bald der Lächerlichkeit Preis geben und in Richtung Selbstvernichtung marschieren, was weder ich, noch irgend ein anderer ärztlicher Homöopath sich wünschen würde. Denn obwohl man heute das Gefühl hat, dass die ganze Schulmedizin mit Scheuklappen in eine falsche Richtung marschiert, steckt in ihr ein riesiges Potential an Wissen, Erkenntnissen und Wille zum Helfen, welches, angewendet zum reinen Wohle der Menschheit viel dazu beitragen könnte, ein Gesundheitswesen auf der Welt einzurichten, welches, in Zusammenarbeit mit den sogenannten "komplementären Heilmethoden", Wunder vollbringen könnte und das Vertrauen der Kranken wieder verdient hätte.
Eine Publikation von Sheldon Krimsky von der Tufts Universität, der die Experten des speziellen Gremiums, das das DSM IV erstellt hat unter die Lupe nahm hat festgestellt, dass mehr als die Hälte aller Autoren wirschaftliche Interessenkonflikte mit der Pharmaindustrie hatten. Da dieses "Manual" weltweit die psychiatrischen Normen setzt und darüber entscheidet, ob psychische Phänomene als krankhaft und damit behandlungsbedürftig gelten oder nicht, ist so ein Konflikt natürlich schändlich.
Ein Beispiel ist die Diagnose "Soziophobie". Dies ist eine Angststörung die sich in der Gesellschaft zeigt. Diese Leute haben Angst vor Kontakten mit der Gesellschaft, also eine, so könnte man sagen, übersteigerte introvertiertheit. Da hier die Empfehlung zur medikamentösen Therapie gegeben wird, könnte man fast den Eindruck gewinnen, das alle schüchternen Menschen zu Patienten gestempelt würden, um sie dann medikamentös behandeln zu können.
Eine weitere Studie die für grosse Irritationen sorgte und erst in den letzten Tagen erschienen ist, wurde von Lisa Cosgrove, einer Psychologin der Universität von Massachusetts in Boston verfasst. Darin geht hervor, dass fünf von sechs Experten, die über das "prämenstruelle Syndrom" diskutierten mit der Fragestellung, ob dieses Syndrom eine psychiatrische Diangose sei, finanzielle Beziehungen zur Firma Eli Lilly hatten. Interessanterweise fiel diese Diskussion und die beabsichtigte Eingabe der Firma Lilly, ihr Antidepressivum als speziell gut beim "prämenstruellen Syndrom" bewerben zu können, zusammen. Dies war im Jahr 1989, das heisst 1 Jahr vor der publizierten überarbeiteten Version des Manuals im Jahre 2000.

Vertrauen Sie auf Ihre Sinne! Ihre Intuition!

Es sind diese Geschichten, die uns zweifeln lassen. Zweifeln an der Relevanz einer Studie; Zweifeln an den aus diesen Studien abgeleiteten Therapiemethoden; Zweifeln am gesamten System, das auf diesen ach so "objektiven Daten" beruht. Ich glaube was ich sehe, was ich höre und was ich fühle. Es ist mir weniger wichtig ob eine Studie zu einer Therpiemethode kommt, die in der Praxis nicht annähernd die Resultate bringt, die ich von einem Heilsystem erwarte. Zuoberst steht der Mensch mit seinem Leiden. Und diesem Menschen will ich helfen; Studie hin oder her.

Über diesen Link kommen Sie zum letzten Teil des Themas ANGSTSTÖRUNG mit den Themen: WIE sollte nun eine solche psychische Erkrankung mit der Ziffer F40.I nach ICD-10 behandelt werden? WAS für Alternativen gibt es zu den bekannten schulmedizinisch - psychiatrischen Therapien mittels Medikamenten und Gesprächstherapien? WOMIT würde die Homöopatie behandeln? Ab WANN sollte man überhaupt mit einer Therapie beginnen?   Wenn Sie sich vom Thema übersättigt sind, dann nehmen Sie doch einfach diesen Weg zurück zur Startseite und lesen den Rest lieber, wenn Sie wieder aufnahmefähig sind.