Meine homöopathische Arbeitsweise
a) klassische Homöopathie

C.F.S. Hahnemann
Dr. S. Hahnemann etwa in meinem Alter
Die Grundregeln meiner homöopathischen Arbeitsweise sind in den Büchern Hahnemann's (Organon der Heilkunst, Die chronischen Krankheiten) niedergeschrieben. Wie bereits auf der Seite Homöopathie erklärt, sind die Vorgaben in den Werken Hahnemann's für alle, die klassisch-homöopathisch arbeiten, der Ausgangspunkt ihres Wirkens.
Wie jedes Buch, welches Theorien und Regeln enthält, können auch in Hahnemann's Werk gewisse Stellen verschiedentlich ausgelegt werden.
Und so haben sich innerhalb der Reihen der klassischen Homöopathen "Richtungen" ausgebildet, welche diese, "nicht eindeutigen" Passagen jeweils anders verstehen und auslegen.
Es handelt sich hier um Differenzen bezüglich der Gewichtung der Symptome, dem Wert der der Miasmatik zugeschrieben wird, der Auslegung des § 153 (d.h. dem Verständniss, was ein eigentümlich, sonderliches, auffälliges und ungewöhnliches Symptom ist), dem Begriff "Totalität der Symptome", dem Wert der den klinisch gewonnenen Symptomen (aus geheilten Fällen) zugeschrieben wird und nicht zuletzt der Weg der Generalisierung von Symptomen oder die exakte Findung von vollständigen Detailsymptomen.
Leider könnte man noch deutlich mehr Differenzen aufzählen. Dies war im Verlaufe meiner homöopathischen Ausbildung eigentlich der steinigste Pfad der zu gehen war. Nämlich zu erkennen, dass es, wie in der Schulmedizin, verschiedene Wege gibt, wie man zum hielenden Mittel kommen kann, wo ich doch Anfangs überzeugt war, dass die klassisch-homöopathische Gemeinschaft eine Einheit sein müsse, da Sie auf den Werken Hahnemann's und NUR Hahnemann's beruht. Und dass jeder für sich, über die Jahre erkennen muss, welcher Weg Ihm am meisten "Erfolg" beschert.
Es begann also erneut eine Odyssee durch die verschiedenen Richtungen. Ich machte es mir zur Aufgabe, alle Richtungen verstehen zu lernen um so entscheiden zu können, welche mir am Meisten behagte.
Daraus ergab sich aber am Schluss eine, meiner Meinung nach recht sichere Verschreibungstechnik, die ich später noch genauer erläutere!
Wichtig ist aber auch zu verstehen, dass diese verschiedenen "Richtungen" nicht etwa untereinander verstritten sind. Sie inspirieren eher einander gegenseitig und helfen einem gewisse Punkte auch mal von einer anderen Perspektive zu betrachten.
Das gemeinsame Ziel aber blieb immer erhalten: "....schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit.....auf dem kürzesten, zuverlässigsten (und) unnachteiligsten Wege...."(§1 Org).
b) J.T. Kent

James T. Kent
Wie fast jeder in der Schweiz ausgebildete Homöopath, lernt man am Anfang die Methode nach J.T. Kent (ein bedeutender Homöopath um die Jahrhundertwende). Der Grund dafür liegt an der Populatität die Kent um die Jahrhundertwende und bis in die 30er Jahre hinein in Europa erlangt hat.
Als Folge der "revolutionären" Errungenschaften der Schulmedizin gegen Ende des 19. und bis Mitte des 20. Jhd. wurde die Homöopathie zunehmend verdrängt und der "neue" Geist der Medizin ("L'homme machine"; Descartes), die den Menschen als hoch entwickelte Maschine betrachtete und die, die durch das Mikroskop entdeckten Mikroben als krankmachende Armeen, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt verstanden, führte zu einem fast vollständigen Aussterben der homöopathischen Therapieform in Europa. Nicht aber so in Südamerika und Indien, wo die Homöopathie auch heute noch den Rang der populärsten Medizin, neben Ayurveda inne hat.
Und so mussten sich, die wenigen verbliebenen Homöopathen in Übersee ausbilden lassen. J.T. Kent war somit die 1. Anlaufstelle.
Und so kam es, dass beim "Wiedererwachen" der Homöopathie nach dem 2. Weltkrieg in Europa (insbesondere in Deutschland und der Schweiz), die vorhandenen Homöopathen, die neue Ausbildungslehrgänge anboten, entweder direkte Schüler von Kent oder Schüler von Schüler von Kent waren.
Deshalb ist diese Ausrichtung hier in Europa, insbesondere in der Schweiz immer noch tonangebend und meist die 1. Methode die man an den verschiedenen Ausbidlungsstätten in der Schweiz und auch Deutschland lernt.
Das war auch bei mir nicht anders. So wurde ich anfangs "Kentianer".
c) C.V. Bönninghausen; C.M. Boger

Cyrus Maxwell Boger
entwickelte das System von Bönningausen, weiter
Im Verlaufe meiner Ausbildung und dank meines unermüdlichen "Lesergeistes" musste ich feststellen, dass es noch viele andere "grosse Homöopathen" gab. Da waren die 1. Schüler Hahnemann's und die 1. Generation nach Hahnemann's Tod. Unter diesen befanden sich natürlich viele grossartige Homöopathen, die ihr Leben fast vollständig der Verbreitung und Ausübung dieser "revolutionären Heilmethode" verschrieben. Viele grossartige Werke entstanden in dieser Zeit. Werke, die noch heute ihresgleichen suchen. Und ich stellte zu meinem Erstaunen fest, dass es auch in der Homöopathie "verschiedene Richtungen" gibt. Dies war einerseits eine betrübliche Erkenntniss, da mich das Gerangel um das "besser Wissen" in der Schulmedizin massiv gestört hat; andererseits trieb es mich an, die anderen Richtungen kennenzulernen. Da ich der Meinung bin, dass man erstens: erst über "richtig oder unrichtig" entscheiden kann, wenn man, im übertragenen Sinn, "den Baum von allen Seiten gesehen hat" und zweitens: die richtige Arbeitsmethode für einem selbst erst durch die Erlernung der verschiedenen Methoden finden kann. Und dies war ein Geschenk, denn ich fühlte mich in der Art der Mittelfindung nach Kent nicht sehr wohl.
So gelangte ich von Cyrus Maxwell Boger (1861 - 1935) über Clemens von Bönninghausen (1785 - 1864) zu den grossen indischen Homöopathen (Phatak, Sankaran, Farok Master, Vaijaiakar usw.) und den Homöopathen Südamerikas (Ortega, Candegabe, Paschero). Am Schluss ging es zurück zu den neuzeitlichen Strömungen in Europa (Bad Boller Gruppe mit M. Bomhardt, J. Becker usw., creativ-klassiche Homöopathie nach A. Peppler usw.), die die mentale/geistige Seite in der Homöopathie viel stärker betonen und zum Teil auch diese Symptome fast ausschliessich zur Mittelfindung heranziehen. Es sind dies eher psychologisch orientierte Richtungen.
Wobei zu sagen ist, dass bereits J.T. Kent, inspiriert durch die philosophischen Gedanken Swedenborgs, die Geistes- und Gemütssymptome als höchster Ausdruck der Individualität des Menschen, am höchsten und wichtigsten bewertete.
Auch für Hahnemann war der Gemütszustand des Kranken ein wichtiges Element in der Similefindung. Es war aber nie das Einzige!
d) R. Sankaran; J. Scholten/ Bombay Schule

R.Sankaran
Indischer Homöopath und Vorreiter der neuen Entwicklungen in der Homöopathie
Erstmals kam ich so richtig in Kontakt mit dieser Methode aus der Bombayschule im "Drei-Monats-Kurs" in Augsburg, wo Dr. Dario Spinedi, als Gastdozent, 1 Woche mit uns verbrachte.
Er hatte sich als Thema das 1. Buch von R. Sankaran und dessen zentrale Aussage, dass Krankheit eine "Delusion" ist, die eine Wurzel irgendwo im Familienstammbaum hat und uns dazu fürht, dass wir in bestimmten Situationen des Lebens nicht so reagieren, wie es der Situation angemessen wäre, sondern meistens in übertriebener, ja "befremdlichen" Art und Weise. Und diese Diskrepanz zwischen der Realität und dem was wir wahrnehmen aufgrund unserer Wurzel ist tief in uns drin.
Seine eigene Weiterentwicklung in den letzten Jahren ging in die Richtung, mit Hilfe der "vitalen" Empfindung, die verschiedenen Naturreiche der Heilmittel zu unterscheiden und sie in Bezug zu den Miasmen zu setzen. Dies kann aber nur gelingen, wenn man eben auf die Ebene der "vitalen" Empfindung im Patienten/in der Patientin vorstösst.
Dass Dr. D. Spinedi, ein direkter Schüler von Jost Künzli von Fimmelsberg und damit grosser Anhänger der Kent-Schule, solche neuen Ideen uns vorstellte war für mich Zeichen genug, um mich mehr mit der Bombayschule zu befassen. Ich habe über die Jahre die Entwicklung des Gedankengutes Sankarans intensiv verfolgt und kann sicher sagen, dass diese Schule mir eine liebe Hilfe im Finden des richtigen homöopathischen Mittels geworden ist. Sie stellt aber nicht mein zentrales Gerüst und Handwerkszeug dar.
meine konkrete Arbeitsweise, heute

Durch meine Beschäftigungen mit den "verschiedenen Wegen" der klassischen Homöopathie und dem "Try and Error" Prinzip habe ich mich über die Jahre mit praktisch allen klassischen Formen der Homöopathie auseinandergesetzt. Einzig die "Seghal - Methode ist mir noch heute ein Buch mit 7 Siegeln. Wieso habe ich alle Methoden durchgearbeitet?
Ich glaube, dass jeder klassische Homöopathie SEINE Methode entwickeln muss um beste Resultate zu erzielen. Und dafür MUSS er auf die Suche gehen, bis er SEINEN Platz innerhalb der klassischen Homöopathie gefunden hat. Er muss "seine" Bücher haben, "seine" Computerprogramme, "seine" Merkblätter, Spickzettel, Notizen und Seminarschriften, sowie Buchnachträge aus seiner eigenen Erfahrung. Dies ist dann sein Handwerkszeug, das er inn- und auswendig kennen muss. Nicht den Inhalt, sondern die Stellen, wo er zu Suchen hat um eine Antwort auf eine bestimmte Frage zu bekommen.
Wenn Sie IHREN Weg gefunden haben, kann die Homöopathie in Fleisch und Blut übergehen.
Bleiben Sie NIE auf einem fremden Weg, der Ihnen grosse Schwierigkeiten macht, das Simile zu finden.
Denn bei diesen theoretischen Auseinadersetzungen mit den jeweiligen Gedankengängen des für einen bestimmten "Weg" verantwortlichen Homöopathen (z.B. Kent, Candegabe, Ortega, Segahl usw.) in Abstimmung mit den Gedanken und Regeln Hahnemann's und meinem eigenen Verständniss und der Erfahrung, ging es für mich immer um das EINE:
DER "WEG" MUSSTE MIR DIE HÖCHSTMÖGLICHE ERFOLGSRATE BEI DER SIMILEFINDUNG UND FOLGLICH DIE MEISTEN HEILERFOLGE BRINGEN.
So bin ich heute auf einem "Weg" der die die Gedanken, Auffassungen, Philosophien und Arbeitsweise von Clemens von Bönninghausen und C.M.Boger über alles schätzt und immer wieder erstaunt ist, wie, aufbauend auf den kleinen Repertorien von Bönninghausen oder von Boger und den entsprechenden Computerprogrammen wunderbare und sehr präzise Repertorisationen durchgeführt werden können, die an der Richtigkeit der Wahl des Heilmittels, den grossen Repertorien in keiner Weise nachstehen. Kinderrepertorisationen mache ich praktisch immer mit dem Pennekamp und Detailsymptome werden in Radar nachgeschaut. Dann kommt immer der ausführliche Vergleich mit den materiae medicas, sowohl rein Phänomenologisch, wie auch konstitutionell, Geist-Gemütszustand, Motiv und Vergleich der körperlichen Symptomatik mit dem Gemütszustand und Motiv. Auch die verschiedenen Reiche der Arzneimittel können mir helfen.
Sehr zentral ist für mich die Miasmatik geworden, die ich bereits seit mehreren Jahren sehr intensiv studiere, denn ich bin der festen Auffassung, dass eine nicht - miasmatische Arbeitsweise zu gefährlichsten Unterdrückungen führen kann, ohne dass der Therapeut es merken würde.
So arbeite ich heute ganz eindeutig nach meiner Methode, die aber vom Grundsatze her der Methode von Bönninghausen und vorallem von Boger entspricht.
Es gibt so viele Einflüsse, die mich tragen, dass ich am Schluss häufig nicht mehr genau sagen könnte welche Methode jetzt im Vordergrund stand. Eine Abstimmung mit der Miasmatik (vorallem nach Laborde und Gienow/Sonnenschmidt) findet aber immer statt.
Bei Misserfolg des Mittels wechsle ich immer den Blickwinkel und die Vorgehensweise.
Wie bereits erwähnt sind die von Hahnemann, nach langjähriger Beobachtung der chronischen Krankheiten erworbenen Erkenntnisse über den Ablauf und die Therapie chronischer Krankheiten, ein zentraler Punkt meines homöopathischen Arbeitens.
Es ist eben das, was man heute so allgemein als "Miasmatik" bezeichnet.
Nach dem Studium des Originalwerkes von Hahnemann, habe ich mich auch hier auf den Weg gemacht, mein Verständniss der "Miasmatik" zu finden. In den Werken der "Clemens von Bönninghausen Akademie" und denjenigen von Peter Gienow habe ich auch hier das gefunden, was ich gesucht habe.
Bei den chronischen Krankheiten arbeite ich voll und ganz miasmatisch, was sich wunderbar mit der Arbeitsweise von Boger und Bönninghausen verbinden lässt, genau so, wie Peter Gienow es auch erkannt hat!
Wichtigste Sekundärliteratur und Grundsätze stammen hier sicherlich von J.H. Allen aus den Reihen der grossen alten Meister der Homöopathie und unter den zeitgenössischen Homöopathen sind die Werke der CvB-Akademie (Laborde, Risch, Mettler usw.) und von P. Gienow für mich von höchster Relevanz.
AUDE SAPERE (Wage zu denken; Wage weise zu sein)
Zur Zeit findet in der klassischen Homöopathie ein Orkan statt und viele "neue", sehr tiefgehende Strömungen sind am Werk und bringen häufig faszinierende Gesichtspunkte hervor, manchmal auch "alt Bekanntes in neuen Schläuchen".
Ich bin aber überzeugt, dass die Homöopathie in diesem Jahrhundert gewaltig an Sicherheit in der Verschreibung gewinnen wird und somit die Heilquote deutlich gehoben werden kann.
Ich denke bei diesen Strömungen an Sankaran, Prof. Köster, die Bad - Boller - Gruppe mit den C4- Verreibungen, Rosina Sonnenschmidt mit Ihren medialen Kräften, den Miasmatiker Peter Gienow, aber auch Herrn Spinedi und die grossen Namen, die sich um Jost Künzli gruppierten. Nicht zu vergessen das kanadische Genie; André Saine oder auch Mohinder Sing Jus. Die Liste nimmt kein Ende, was uns eben die Kraft vor Augen hält, die gemeinsam am Karren der klassischen Homöopathie zieht.
Kleine Querelen müssen sein unter so vielen Strömungen und Ideen.
Ich glaube der Gründer dieser wunderbaren Heilkunst, Samuel Hahnemann würde Freuede haben. Er ist mit der Homöopathie, die er uns geschenkt hat, unsterblich geworden. Danke
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